Zurück zur Startseite
2. Januar 2008

Zur Insolvenz von PIN Münster

Münster. Das neue Jahr beginnt für die Beschäftigten der PIN.Münster wenig hoffnungsvoll. Kurz nach Weihnachten wurde die Insolvenz des privaten Briefzustellers gemeldet. DIE LINKE. Münster nimmt Anteil an den Ängsten und Sorgen der Betroffenen, die von der Vernichtung ihrer Arbeitsplätze durch das Insolvenzverfahren bedroht sind. Ali Atalan, Ratsherr der Linken Liste Münster, erklärt dazu: „Wir hoffen jedoch, dass die von der PIN-Gruppe akquirierten Zustellaufträge in Zukunft von einer Zustellerfirma ausgeführt werden, die ihr Geschäftsmodell so gestaltet hat, dass es auch menschenwürdige Bezahlung der Beschäftigten mit einschließt.“

Atalan ist aber sicher, dass die am Markt verbleibenden Firmen neue Zusteller einstellen werden, denn die Briefe müssen ja weiter ausgeliefert werden. Dann aber von Betrieben, die ihren Beschäftigten zumindest den gesetzlich festgelegten Mindestlohn zahlen. „Wir haben in Münster immer das von den neuen Briefzustellern angewandte „Geschäftsmodell“ verurteilt, dass die Preise für das Briefporto auf Kosten der Beschäftigten und der Allgemeinheit drückt. Einerseits werden die dort Beschäftigten mit realen Stundenlöhnen von etwa fünf Euro zu Armut trotz Arbeit verurteilt. Die Steuerzahler finanzieren mit den ergänzenden Leistungen der ArGe zum Lebensunterhalt der Geringverdienenden außerdem den Gewinn der PIN-Eigner, in Münster also insbesondere den des Aschendorff Verlags. Andererseits wird die geheiligte freie Marktwirtschaft, wie sie von den Redakteuren des Aschendorff Verlags, insbesondere in der größten Lokalzeitung des Münsterlandes, ansonsten vehement vertreten wird, dann gerne zu Gunsten einer indirekten Subventionierung ignoriert.“

Wie gefährlich solche ökonomischen Interessenüberschneidungen für die demokratische Willens- und Meinungsbildung sind, zeigt sich außerdem deutlich in diesem Fall. Die sonst so wache Lokalredaktion der großen Zeitung meldet zwar einen Tag nach Bekanntgabe der Insolvenz die Krankenhausrechnung für den Schwan Petra, hält aber das drohende Aus für ein großes Unternehmen in Münster nicht für berichtenswert. „Den Redakteuren wurde in dieser Sache offensichtlich ein Maulkorb verpasst, ein Armutszeugnis für die Pressefreiheit in Münster“, urteilt Ratsherr Atalan.

Die Macht des Kapitals, diesmal die der PIN-Eigner, auf Kosten der Arbeitnehmer weiter zu stärken, wurde von der Stadt Münster aktiv unterstützt. Diese hat die amtlichen Schreiben durch den münsterschen PIN-Ableger befördern lassen und gleichzeitig den Beschäftigten aufstockendes ALG II durch die ArGe Münster gezahlt. Die Partei DIE LINKE. Münster hatte mehrfach die Stadt Münster und die Bürgervertreter der anderen Parteien im Rat aufgefordert, diese indirekte Subventionierung der PIN. Münster einzustellen. Nun wird diese Entscheidung der Verwaltung und den Ratsfrauen und -herren der übrigen Parteien Münsters durch den Rückzug der PIN-Kapitaleigner nach der gesetzlichen Festlegung eines Mindestlohns aus der Hand genommen.

Raimund Köhn, Sprecher der Partei DIE LINKE. Münster, meint dazu: „Dies bestärkt uns als Partei darin, nicht nur auf Bundesebene für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns für alle Branchen zu kämpfen, sondern auch auf lokaler. Noch bestehen Verträge der Stadt Münster mit Firmen, die ihre Gewinne auf Kosten von Armutslöhnen für ihre Beschäftigten erzielen. Aus diesen Verträgen muss die Stadt Münster aussteigen, und nur Firmen beauftragen, die zumindest einen Mindestlohn von 8 Euro zahlen.“