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8. Mai 2008

Bahnhofsumbau: Keine städtische Aufgabe

Nachdem der Umbau des Hauptbahnhofs in Münster von der Deutschen Bahn AG seit Jahren verschleppt wurde und Land und Bund sich aus der Finanzierung zurückzogen soll jetzt die Stadt das Finanzierungsloch mit einem 5 Millionen Euro Zuschuss stopfen. "Die Nutzungsfreundlichkeit für die Bahnkunden sollte im Mittelpunkt stehen, doch die CDU/FDP Ratmehrheit will hauptsächlich eine gestalterische Aufwertung des Hauptbahnhofs, um den Einzelhandel im Bahnhof zu stärken und ist deshalb zu allem bereit," kritisieren Landtagsabgeordneter Rüdiger Sagel und Ratsherr Ali Atalan (LINKE) das morgen im Stadtrat zu beschließende Bahnhofskonzept. 

"Offensichtlich ist Oberbürgermeister Dr. Tillmann vor den Forderungen von Herrn Mehdorn voll eingeknickt. Von Seiten der Deutschen Bahn AG wurde für den Hauptbahnhof immer nur eine Billigvariante für Münster ins Spiel gebracht. Der Bahnhofsumbau ist aber keine städtische Aufgabe sondern Land und Bund müssen dies finanzieren. Die Finanzierungssituation und der Umbau wurden jedoch insgesamt immer vager, denn die eigentlich zur Verfügung zu stellenden Bundesmittel wurden immer mehr zurückgefahren und auch beim 350 Millionen Euro Paket des Landes für Bahnhofsumbauten in NRW kam Münster nicht zum Zuge. Mehdorns Spekulation, dass andere bei der Finanzierung wesentlich miteinsteigen, hat sich jetzt aber durch CDU und FDP in Münster erfüllt. Münsters Politiker von CDU über Grüne bis zur SPD haben viel versprochen und in Berlin und Düsseldorf wenig erreicht."

Die Funktion des Bahnhofes als Verkehrszentrum und die Nutzungsfreundlichkeit für die Bahnnutzer steht für uns im Mittelpunkt, betonen Sagel und Atalan, und nicht der Bau eines Einkaufszentrums mit einer netten Außenfassade durch einen Investor. "Genau das sieht, bei genauerem hinsehen, die Ratsvorlage aber vor, nämlich vor allem geht es um ein attraktives Erscheinungsbild. Die Stadt braucht ein weiteres Fahradparkhaus an der Bahnhofsrückseite am Bremer Platz, im Bahnhof benutzerfreundliche Rolltreppen an allen Bahnsteigen, behindertengerechte Aufzüge und insgesamt ein benutzerfreundliches Umsteigen vom öffentlichen Nahverkehr auf die Bahn. Unter Klima Aspekten ist auch der Bahnhof mit einer Solaranlage auszustatten und die Glasfassaden dürfen nicht zu groß gestaltet werden. Es gibt klare Bedingungen für den Einsatz städtischer Mittel - doch die sind bisher nicht erfüllt, sondern werden umfunktioniert."

Wenn es keinen benutzerfreundlichen und optimal funktionierenden Bahnhof gibt und wenn die ICE, IC und Regionalverkehrszüge noch weiter gekürzt werden, braucht man sich auch über eine weitere Verknüpfung des Verkehrs keine Gedanken mehr zu machen, befürchten Sagel und Atalan. "Münster ist dann nämlich keine Provinzialhaupstadt mehr sondern als Provinzstadt endgültig abgehängt."