Mitten in der größten Wirtschaftskrise verkündet „Capital“ eine glänzende Zukunft. „Da zeigt sich erneut, dass die neoliberalen Wirtschaftslobbyisten die Bedeutung und Tragweite der Krise nicht begreifen wollen“, kommentiert der Spitzenkandidat der Partei DIE LINKE. Münster, Raimund Köhn. „Die Ratten tanzen auf dem sinkenden Schiff.“
Am Beispiel Münster lässt sich gut erkennen, wie durchschaubar populistisch der Städtevergleich ist. So soll Münster mit 15,7% das höchste Wirtschaftswachstum aufweisen. Das hört sich toll an, übertragen auf den Zeitraum von 2006 bis 2015 liegt das prognostizierte Wachstum pro Jahr jedoch bei unter 1,5%. Das entspricht dem Durchschnitt der letzten 20 Jahre und ist alles andere als glänzend. Allerdings ist selbst die Annahme dieses Wachstums völlig illusionär. Aktuell bricht das Wachstum massiv ein, über 6% sind bereits für dieses Jahr prognostiziert. Mit dem Rückgang 2008 sind es dann bereits gut 9%. Selbst wenn 2010 eine Stabilisierung erfolgt und sich die Wirtschaft erholt, müsste die Wirtschaft von 2011 bis 2015 um fast 25% wachsen. „Was die so genannten Experten in der „Capital“ präsentieren“, so Köhn weiter, „hat nichts mit solider Wissenschaft zu tun, sondern ist reine Kaffeesatzleserei“.
In Anbetracht solcher Ungereimtheiten ist es fast Nebensache, wie die „Experten“ dazu kommen, dass die Arbeitsplätze um 6,5% und die Kaufkraft sogar um 13,5% zunehmen sollen. Die Arge Münster hat kürzlich prognostiziert, dass die Arbeitslosigkeit in Münster 2010 um über 4000 neue Arbeitssuchende zunehmen könnte. Wie diese neue Arbeitslosigkeit bis 2015 nicht nur abgebaut werden kann, sondern zusätzlich 6,5% Stellen entstehen sollen, wird wohl für immer ein Geheimnis der „Experten“ bleiben.
„Wäre es nicht schon Juli, könnte man die Untersuchung als Aprilscherz betrachten. So aber entsteht der Eindruck, dass die neoliberalen Ideologen kurz vor der Bundestagswahl schnell noch ein paar Nebelkerzen werfen, damit das Versagen der herrschenden Politik nicht völlig offensichtlich wird“, urteilt Köhn abschließend.