Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Ursula Nelles,
mit großer Empörung haben wir von der Räumung des besetzten Hörsaals F1 erfahren. Die Hoffnungen der vielen BildungsaktivistInnen auf einen ernsthaften Dialog mit Ihnen hat sich somit in Luft aufgelöst. Zum wiederholten Mal haben Sie auf das berechtigte Anliegen der Studierenden und SchülerInnen mit Polizei reagiert, anstatt endlich auf die Probleme im Bildungssystem einzugehen. Wir müssen Ihnen wohl nicht erklären, dass Polizeieinsätze auf dem Campus – auch unter Einbeziehung der Entwicklung in Griechenland und Lateinamerika - äußerst bedenklich sind. Der Polizeieinsatz war nicht alternativlos. Sie wissen, dass es etliche RektorInnen in Deutschland gibt, die auf Dialog statt auf Polizei setzen. Sie tragen für den Polizeieinsatz die Verantwortung.
Am vergangenen Dienstag gingen in Münster rund 2500 Studierende, SchülerInnen und Lehrende gegen die derzeitige Bildungsmisere auf die Straße. Gewerkschaften und ein Großteil der Bevölkerungen stehen hinter den Forderungen des Protestes. Bei der Besetzung ging es nicht nur um den symbolischen Ausdruck von Protest, sondern auch darum, Raum für Diskussion und Erneuerung zu schaffen. Mit kreativen Aktionen, zahlreichen Workshops und einem breiten Kulturprogramm erfüllten die BesetzerInnen genau das, was an den Hochschulen in den letzten Jahren zu kurz gekommen ist. Nämlich die Hochschule als Ort von gesellschaftlichen Veränderungen zu begreifen und zu praktizieren.
Aus unserer Sicht wäre es fatal nun einfach zum Tagesgeschäft zurück zu kehren. Sie können die Protestbewegung nicht auf Dauer kriminalisieren.
In diesem Sinne hoffen wir auf ein Einlenken der Universitätsleitung im Sinne einer grundlegenden Verbesserung des Bildungssystems.
Dirk Habermann (Kreissprecher DIE LINKE.Münster)
Ulla Jelpke (Mitglied des dt. Bundestags)
Rüdiger Sagel (Mitglied des Landtags NRW)