Zurück zur Startseite
4. August 2009

Mehr Medizin-Studienplätze ohne soziale Auswahlverfahren

DIE LINKE. Münster begrüßt die Forderungen der Ärztekammern Westfalen-Lippe und Rheinland nach einer Erhöhung der Studienplätze im Fach Medizin. Jeder und jedem Studierwilligen muss ein Studienplatz zur Verfügung gestellt werden. Die freie Berufswahl ist im Artikel 12 Grundgesetz festgeschrieben. Deshalb, so sieht es das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes von 1972 vor,
darf die Numerus-Clausus-Regelung nur eine Ausnahmeregelung im Falle mangelnder Studienkapazitäten darstellen.

"Jungen Menschen, die den Arztberuf erlernen wollen, darf dies nicht verwehrt bleiben." so Hubertus Zdebel, Bundestagskandidat DIE LINKE. "Wenn zudem noch ein Ärztemangel festgestellt wird, besteht dringender Handlungsbedarf bei der Landesregierung."

Die Ärztekammern und die Krankenhausgesellschaft NRW sehen auch qualitative Mängel, was die Studierenden anbelangt. Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe Dr. Theodor Windthorst fordert mehr Engagement und soziale Kompetenz in der Medizin. Dazu Zdebel: "Es ist nicht zu übersehen, dass der Studiengang Medizin die höchste soziale Spreizung aller Fächer aufweist. In keinem anderen Fach studieren prozentual mehr Menschen aus der höchsten sozialen Herkunftsgruppe, wie aus der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hervorgeht."

"Die Frage nach der sozialen Kompetenz kann nur gelöst werden, indem wir Menschen aus allen sozialen Schichten an die Hochschule bringen," so Hannes Draeger, hochschulpolitischer Sprecher DIE LINKE. Münster. Seine Einschätzung: "Vor allem in der Medizin steht der Dienst an den Menschen im Vordergrund, nicht die Karriere. Eine solche Berufung ist jedoch unabhängig von der sozialen Herkunft."

Subjektive Auswahlverfahren, das zeigen Untersuchungen, verstärken die soziale Selektion jedoch zusätzlich. Sozial Benachteiligte haben geringere Chancen, die Auswahlmechanismen zu bestehen, sie werden häufiger abgeschreckt und haben außerdem keinen Zugang zum privaten Vorbereitungsmarkt.
"Haben wir die Wahl zwischen Numerus Clausus und Auswahlverfahren, dann ist der NC nur das kleinere soziale Übel", so Draeger abschließend. "Stattdessen fordert DIE LINKE. die Abschaffung von Studiengebühren und Förderprogramme, die gezielt sozial Benachteiligte an die Hochschulen bringen."