„Dass die Textil-Handelsketten Hertie, Wehmeyer und SinnLeffers nahezu zeitgleich Insolvenz anmelden, bzw. in ernste Schwierigkeiten geraten sind, ist kein Zufall, sondern ein Hinweis, dass ein grundsätzlich anderer wirtschaftspolitischer Kurs eingeschlagen werden muss“, erklärt Ali Atalan, Ratsherr DIE LINKE. Münster. Die beiden Bekleidungshäuser mit Standorten in Münster stecken tief in der Krise. Wehmeyer hat die Schließung schon angekündigt, bei SinnLeffers wird darüber spekuliert.
Als Ursache für die wirtschaftlichen Turbulenzen der drei Unternehmen ist vor allem die Stagnation des privaten Konsums zu nennen, da Deutschland das einzige große Industrieland mit Reallohnsenkung ist. Aufgrund von realen Einkommenskürzungen bei Rentnern, Arbeitslosen und anderen Bevölkerungsgruppen können auch diese nicht für einen Konsumschub sorgen. Durch die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in arm und reich bricht diesen Handelsketten, die sich vor allem auf den ehemals breiten Mittelstand konzentriert haben, die Kundschaft weg.
Aber die wirtschaftlichen Schwierigkeiten dieser drei Unternehmen haben zusätzlich hausgemachte Ursachen. So waren alle drei früher Töchter von Karstadt/Quelle (heute Arcandor). Der Vorstandschef von Karstadt/Quelle Middlehoff, der auch Mitglied im Hochschulrat der Universität Münster ist, hat dafür gesorgt, dass alle drei an unterschiedliche „Heuschrecken“ veräußert worden sind: Hertie an Dawney Day, Wehmeyer an die Schottenstein Gruppe und SinnLeffers an DIH und HMD Partners. Obwohl vor allem die Mitarbeiter von Wehmeyer einen drastischen Gehaltsverzicht akzeptiert haben, war offensichtlich keiner der Investoren in der Lage oder Willens, ein zukunftsträchtiges Unternehmenskonzept zu entwickeln.
„Damit zukünftig Firmenpleiten dieser Art vermieden werden könnten, die stets zu Lasten der Mitarbeiter gehen, sind höhere Lohnsteigerungen, eine Steigerung der Sozialleistungen sowie zumindest ein Erschwernis solcher Firmenübernahmen durch Heuschrecken dringend erforderlich“, fordert Raimund Köhn, Sprecher DIE LINKE. Münster. „Des weiteren sollte untersucht werden, welche Gewinne die Heuschrecken aus diesen Firmenübernahmen erzielt haben. Es gibt jedenfalls zu denken, dass Klagen der Aktionäre der Investoren über den Erwerb dieser Unternehmen bislang nicht bekannt geworden sind“.